Donnerstag, 15. September 2011

JUNO 13 oder: ... ich lebe ganz sinnlos in den Tag hinein

Jugend in Not – in Bremen soll eine weitere Jugendhilfe-Stiftung gegründet werden

Uli Pelz

Die 16. Shell- Jugendstudie „Jugend 2010“ belegt es: Dem Großteil der Jugendlichen in Deutschland geht es gut, er sieht trotz aller wirtschaftlichen Krisen optimistisch in die Zukunft. Dreiviertel der Jugend im Allgemeinen ist zufrieden mit ihrem Leben. Ganz anders sieht es allerdings bei den Jugendlichen aus den so genannten unterprivilegierten Verhältnissen aus. Hier hat die Shell-Studie 2010 nur eine positive Lebenseinstellung von 40% feststellen können.
Die Situation ist ja nicht neu in Deutschland. Das reiche Land leistet sich seit jeher in den unteren Schichten und an den Rändern der Gesellschaft Unterversorgung und Armut von Menschen – besonders betroffen sind, so besonders auch in Bremen, Kinder und Jugendliche. Jedes 3. – 4. Kind, jeder 3.-4. Jugendliche in Deutschland ist als arm zu bezeichnen. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind hier im „Ranking der Armut“ Spitzenreiter, Bremen nimmt nach Berlin den 2.Platz ein.
Auf der anderen Seite der Medaille war erst kürzlich zu lesen, dass Bremen im „Ranking der Millionäre in Deutschland“ ebenfalls den 2. Platz einnimmt, knapp hinter Hamburg, wo die Pfeffersäcke wohl noch praller sind.
Das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm in unserer Gesellschaft nimmt skandalöse Formen an. Die zurzeit herrschende Politik befördert diesen Skandal weiter: Steuervorteile für die Wohlbegüterten auf der einen Seite, Beschneidung, Reglementierung und Bevormundung der Unterversorgten – großzügige zusätzliche ganze 10 Euro monatlich mehr für Hartz-IV-Empfänger ab 1.1.2012 sind gerade vom Bundestag beschlossen worden, während der Beschluss zur höheren Besteuerung der Gutverdienenden und Reichen wohl auf sich warten lassen wird.
Was ist eigentlich Unterversorgung? Was ist eigentlich Armut? Während die politischen Wegseher ja behaupten, Armut in Deutschland gäbe es gar nicht und die prekären Lebenssituationen der Betroffenen seien selbstgemachte Leiden, verursacht durch Faulheit, Lustlosigkeit, Leistungsverweigerung, Suchtmittelgebrauch und Fernsehabhängigkeit, bemühen sich die Wohlfahrtsverbände –hervorzuheben sind hier der Paritätische und die AWO - seit Jahrzehnten um eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Armutsberichterstattung. Demnach ist Armut und Unterversorgung kein reines monetäres Phänomen, sondern die Unterversorgung der armen Menschen ist komplex – sie bezieht die Unterversorgung an familiärer Sozialisation, an Bildung, an kultureller Teilhabe, an hygienischer Versorgung, an personenzahlgerechter Wohnung, an beruflicher Teilhabe sowie an Sozialer Teilhabe u.a.m. in den Armutskatalog mit ein. Und wenn der Katalog dann noch weiter ergänzt wird durch Gewalterfahrungen, durch Fremdplatzierung in Heimen und Anstalten, durch Knasterfahrungen und nicht zuletzt durch Erfahrungen im Gebrauch illegaler Drogen, dann sieht es für so manchen jungen Menschen ganz düster aus. Wobei betont werden muss, dass es den unmittelbaren Zusammenhang arm = kriminell nicht gibt!!
Mehr als dreißigjährige professionelle und „ehrenamtliche“, heute sagen wir lieber: freiwillige bürgerschaftliche Erfahrungen mit dieser Gruppe von jungen Menschen haben mich nach meinem Ausscheiden aus dem beruflichen Leben beeinflusst, die Initiative zur Gründung einer Jugendhilfestiftung zu ergreifen. Sie soll den Namen tragen: STIFTUNG JUNO 13 – BREMER STIFTUNG FÜR JUGENDHILFE UND BÜRGERSCHAFTLICHES SOZIALES HANDELN.
Nun gut, werden einige einwenden, wozu? Die Jugendhilfelandschaft in Bremen ist doch breit aufgestellt. Von der Senatorin für Jugend und Soziales über das Landesjugendamt und das Jugendamt (welchen Sinn macht eigentlich dieses Doppelmoppel noch?), über die Freien Wohlfahrtsverbände, über die größeren bestehenden traditionellen Stiftungen (St. Petri, Alten Eichen, Hans-Wendt u.a.) und über eine Vielzahl von so genannten Freien Trägern (sie sind in Wahrheit unfrei, weil sie am Tropf der Mittelgeber hängen) bis hin zu kleineren Initiativen und Projekten finden wir ein großes Jugendhilfeangebot vor. Noch gar nicht mitgezählt sind dabei die vielen Arbeits- und Berufssförderungsprojekte, die die jungen Arbeitslosen morgens um 7 telefonisch aus den Betten schmeißen, um sie dann um 8 über die Spielplätze oder öffentlichen Straßen zum Saubermachen zu scheuchen. 13 Uhr Feierabend. Berufsvorbereitung! Berufsqualifizierung! Arbeitstraining! Wie auch immer?
„Ich lebe ganz sinnlos in den Tag hinein“ sagte einmal ein junger Mann auf die Frage, was er denn so mache den lieben langen Tag. Das ist ein guter Ansatz für die INITIATIVE und die spätere STIFTUNG JUNO 13. Nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten und Institutionen in Bremen treten, sondern ein spezielles, ergänzendes Jugendhilfeangebot in Bremen installieren, das auf ganz individuelle Notlagen von jungen Menschen reagieren kann durch gezielte Hilfe, die entweder monetärer Art oder aber auch lebens- und alltagsunterstützender Art sein kann. Die vorläufigen Stiftungszwecke (Auszug) weisen das aus:
* Die Stiftung fördert auf Antrag Jugendhilfemaßnahmen und Jugendhilfeprojekte anderer nichtstaatlicher, gemeinnütziger Organisationen in Bremen und im angrenzenden Niedersachsen durch Geld und Sachzuwendungen, sowie durch Beratung und fachliche Begleitung.
* Die JUNOStiftung entwickelt eigenständige Jugendhilfemaßnahmen und Jugendhilfeprojekte und führt diese mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf freiwilliger, bürgerschaftlicher Basis durch.
Arbeitsvertragliche Beschäftigungsverhältnisse sind in der Stiftung nicht ausgeschlossen.
* Die JUNOStiftung bildet in Eigenregie ihre freiwilligen, bürgerschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie auch externe aus anderen Organisationen für die fachgerechte Aufgabenwahrnehmung in der Jugendhilfe aus.
Als eigenständige Jugendhilfeprojekte der zukünftigen Stiftung sind geplant:
NOTBOX
Beratung und Kommunikation per Internet
MYWAY
Alltagsasssistenz, zugehende, lebensraumnahe Begleitung nach dem „Empowerment-Prinzip“
TUCAN
Soziales Lernen in kleinen Gruppen
Die klassische Vorstellung einer Stiftung ist, dass eine Einzelperson, eine Familie oder ein Unternehmen das Stiftungskapital zur Verfügung stellen. Daneben gibt es jedoch auch das Modell der Bürger- oder Gemeinschaftsstiftung. Anders als Stiftungen, die aus Einzelvermögen errichtet werden, führen Gemeinschaftsstiftungen das Engagement einer Vielzahl von Stifter/innen zusammen, um gemeinnützige Projekte in einer Region zu fördern.
Die Jugendhilfestiftung STIFTUNG JUNO 13 soll eine Gemeinschaftsstiftung, eine Bürgerstiftung werden. Um das Ziel zu erreichen, werden sozial engagierte Gründungsstifter und Gründungsstifterinnen gesucht, die zusammen mit mir das notwendige Gründungskapital von 50.000 € aufbringen, und die dann auch später am Stiftungsgeschehen aktiv, oder aber auch passiv, teilnehmen möchten. Erfahrene Stiftungsexperten empfehlen eine Mindestgründereinlage von 500 €.
Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit Gründungspartnern und Gründungspartnerinnen aus Bremen und umzu, mit denen ich zusammen bis zum Jahre 2013 die STIFTUNG JUNO 13 (daher die 13 und auch wegen meiner Hausnummer in Bremen – Woltmershausen, wo ich gerade ein niegelnagelneues JUNObüro eingerichtet habe: Auf dem Grünen 13). Rufen Sie doch einfach an, wir können dann einen Gesprächstermin hier in Pusdorf verabreden. Telefon 0421.547165. www.junobremen.de
Stiften gehen macht Spaß!
Uli Pelz

Keine Kommentare:

Kommentar posten