Samstag, 1. Oktober 2011

Willi Lemke löst den Nahost-Konflikt

Glosse
Friedensengel Willi Lemke mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

Es gibt Berufsbezeichnungen, unter denen man sich wenig bis gar nichts vorstellen kann. „EU-Beauftragter für Bürokratieabbau“ (Edmund Stoiber) zum Beispiel. Bei anderen Wortungetümen sind wir mit der Zeit schlauer geworden. Dass der „Rundfunkgebührenbeauftragte“ in Wahrheit der GEZ-Drücker ist, hat sich rumgesprochen und auch die Arbeitsmethoden dieser Wegelagerer sind hinlänglich bekannt. Und dann gibt es noch den „Sonderberater der Vereinten Nationen für den Sport“. Der Bremer Willi Lemke sitzt gerade auf dem Posten. Und wer denkt, dass Lemke als in Genf stationierter UN-Mann Vielflieger ist, der von einer repräsentativen Verpflichtung zur nächsten eilt, liegt wahrscheinlich gar nicht falsch. Nur: Was macht er da? 

Jetzt wissen wir es: Lemke, der als ehemaliger Bremer Bildungssenator mitverantwortlich für die bremischen PISA-Ergebnisse und die desaströsen Zustände an den Schulen ist, hat sich nicht weniger vorgenommen, als Frieden zu schaffen. Kein Witz: „Werder Bremens früherer Manager Willi Lemke hat sich in den Nahost-Konflikt eingeschaltet“, lautet der Lead-Satz einer DPA-Meldung, deren Verfasser wir unterstellen, den Größenwahn des Bremers ironisieren zu wollen. Mit einer Tagung von Sportwissenschaftlern in Bremen wolle er „die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern in Gang bringen“, lesen wir weiter. „Wäre es nicht großartig“, so Lemke im „Weser Kurier“ von morgen, „wenn so ein Treffen einen kleinen Schritt darstellen würde auf dem langen Weg zu einem Friedensvertrag?“ Und wie: Was Obama und das „Nahost-Quartett“ nicht packen, regelt Werder-Willi bei Beck‘s und Knipp. Anschließend schauen sich die Delegationen der Konfliktparteien im Weser-Stadion das Heimspiel der Werderaner gegen den FC Bayern an und werden ihrerseits Vermittler in einem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Schlagzeile des Tages: Mahmud Abbas und Benjamin Netanjahu versöhnen Willi Lemke und Uli Hoeneß. Jan-Philipp Hein

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