Dienstag, 22. November 2011

Peinliche Gesprächspartner

Blattkritik
"Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten". Schon der Titel dieser obskuren Vereinigung ist eine Mischung aus Präpotenz und Größenwahn. Die größte Stunde des Übervaters dieses Netzwerks, Arn Strohmeyer, schlug am 11. März. "Aktivisten" und er postierten sich vor einer Rewe-Filiale in Schwachhausen und riefen zum Boykott israelischer Waren auf. Es war eine der Aktionen im direkten Umfeld der Linkspartei, die wesentlich die Antisemitismusdebatte um die Linke im Sommer prägte. Der Historiker Julius H. Schoeps, Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien der Uni Potsdam, sagte mir in einem Interview, das im "Weser-Kurier" erschien, dass die Aktion fatal an die NS-Zeit erinnere, genauer: an die Parole "Kauft nicht bei Juden". Wie sich der Bremer Landesverband der Linkspartei wand, um doch noch auf Distanz zu den Boykotteuren zu kommen, als es um Antisemitismus in den eigenen Reihen ging, kann hier nachgelesen werden. Für eine seriöse Zeitung würde sich aufgrund dieser Faktenlage jedes Gespräch mit Strohmeyer verbieten. Nicht so für den "Weser-Kurier", wo sich Strohmeyer heute auf Seite 9 darüber mokieren kann, dass Oberstufenschüler sich während eines Projekttags mit dem israelischen Gesandten Emmanuel Nahshon unterhielten. Das ist peinlich. Und zwar für die Zeitung, deren Redaktion Strohmeyer übrigens bis vor ein paar Jahren angehörte. (jph)

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